October 25, 2008

Das erste Studienjahr Teil 3

Um den Studienanfängern möglichst schnell einen guten Überblick über ihr zukünftiges Arbeitsfeld zu geben, ist es naheliegend im ersten Semester vielfältige Themen zu lehren und abzufragen.
Während dies bei uns am Fachbereich der Geologischen Wissenschaften vor allem mit Erde I auch so praktiziert wird, wird man als Physik-Erstsemester ins kalte Wasser geschmissen. Obwohl viele Dinge bereits im Physik-Leistungskurs am Gymnasium behandelt wurden, stellen die Schnelligkeit der Vorlesungen und die Intensität der Übungsaufgaben für viele Studenten ein sehr hohes Hindernis dar. Dazu muss ich sagen, dass die Geophysiker Mathe und Experimentalphysik zusammen mit den "richtigen" Physikern und den Meteorologen haben, während die übrigen Geologen eigene Veranstaltungen zu naturwissenschaftlichen Themen besuchen. Es waren nicht wenige Studenten, die aufgrund ihrer mangelhaften Noten bei den Naturwissenschaften bereits nach einem Semester aufgegeben haben. Auch für mich waren Physik und Mathe im ersten Semester nicht leicht, obwohl diese beiden zu Gymnasiumzeiten zu meinen stärksten Fächern zählten. Ich muss meinen Lehrern fürs Abitur und meinem ganzen Gymnasium daher ein sehr großes Lob aussprechen. Die Ausbildung, die ich dort erhielt, hilft mir noch heute sehr. Dafür bin ich sehr dankbar.
Dass diese Schwierigkeiten auftreten, liegt einerseits am unterschiedlichen Wissensstand zu Beginn des Studiums, welcher trotz Zentralabitur doch sehr differiert. Andererseits wird von den Dozenten im ersten Semester auch ein sehr hohes Niveau angelegt, um möglichst viele Studenten rauszuprüfen, da die meisten Studiengänge schlichtweg viel zu voll sind. Das mag am Anfang schwierig sein, ist letztendlich aber okay. Es wird schnell besser und man kann dann auch die Vorteile des Studiums genießen.

Wie schon beschrieben, stellte Erde I einen sehr guten Überblick über nahezu alle Teildisziplinen der Geologischen Wissenschaften dar. Obwohl man sich sehr viel verschiedenes Wissen aneignen musste, bekam man überall bereits gute Grundkenntnisse, welche im weiteren Verlauf des Studiums vertieft werden. Es ist ein gutes Gefühl bereits nach einem Semester schon in vielen Bereichen zumindest etwas zu wissen.

Rückblickend bin ich vor allem bei Experimentalphysik und Mathematik für Physiker froh beide bestanden zu haben. Die Anforderungen bei Erde I und dem mineralogischen Grundwissen waren da deutlich einfacher aber nicht minder interessant. Trotzdem sind die großten Unterschiede in der Schwierigkeit der einzelnen Module ein großes Fragezeichen, welches mich im Studium begleitet.

Im nächsten Teil möchte ich über das Highlight meines ersten Semester berichten. Mein erstes Geländepraktikum im Harz.

October 22, 2008

Das erste Studienjahr Teil 2

Bisher geht es hauptsächlich um die Organisation des Studiums, was vielleicht etwas trocken klingen mag. Dies ist jedoch die Hauptherausforderung zu Beginn des Studiums. Man muss diese Welt mit ihrem Aufbau und ihren Regeln gut verstehen, um sich in ihr zurechtzufinden.

Beim BSc Geologische Wissenschaften an der FU Berlin kann man zwischen zwei Betonungen wählen. Neben einer mathematisch-physikalischen, welche ich gewählt habe, gibt es auch noch eine chemisch-biologische Betonung. Im fünften Semester wählt man zusätzlich eine Vertiefungsrichtung aus. Insgesamt gibt es an der FU sieben Vertiefungsrichtungen:
  • Geochemie
  • Geoinformatik und Planetologie
  • Geologie
  • Geophysik
  • Hydrogeologie
  • Mineralogie/Petrologie
  • Paläontologie.
Obwohl die Wahl der Betonung nicht zwingend für die spätere Vertiefungsrichtung ist, wird empfohlen sich für die mathematisch-physikalische Betonung zu entscheiden, wenn man Geophysik machen möchte. Der Sinn dieser Empfehlung wird deutlich, wenn man den naturwissenschaftlichen Anteil vergleicht. Entsprechend dem Namen der mathematisch-physikalischen Betonung haben Geophysiker zwei Semester Experimentalphysik, drei Semester Mathematik und ein Physikpraktikum, welche allesamt wichtige Grundlagen für spätere Geophysik-Veranstaltungen schaffen.

Eine Übersicht über die einzelnen Module und ihre Verteilung in den Semestern findet man hier:

Studienverlaufsplan

So hatte ich im ersten Semester insgesamt vier Module:
  • Erde I
  • Mineralogisches Grundwissen
  • Experimentalphysik I
  • Mathematik für Physiker I.
Im nächsten Teil werde ich über meine Erfahrungen und mein gelerntes Wissen in diesen vier Modulen berichten.

October 20, 2008

Das erste Studienjahr Teil 1

Obwohl ich ja bereits im dritten Semester bin aber schon so umfangreich über meine Vorüberlegungen und Motivationsgründe ausgeholt habe, möchte ich mein erstes Studienjahr natürlich nicht ganz auslassen.

Gerade am Anfang, nach neun Jahren Gymnasium und dreizehn Jahren Schule insgesamt, ist der Übergang zum Studentenleben doch eine große Veränderung im Leben eines jungen Menschen. Wird man in der Schulzeit noch mit allen nötigen Informationen versorgt und braucht praktisch keine Eigeninitiative in der Gestaltung des Stundenplans zeigen, schaut dies im Studium deutlich anders aus.
Weil ich sehr gespannt über die mich erwartenden Dinge war, befasste ich mich frühzeitig mit den Lehrveranstaltungen im ersten Semester und stellte mir nach der Veröffentlichung des Vorlesungsverzeichnisses meinen ungefähren Stundenplan zusammen. Die Einführung durch die Professoren, wissenschaftlichen Mitarbeiter, Tutoren und Mentoren war sehr freundlich aber schnell merkte ich, dass der Einzelne bei fast 100 Erstsemester-Geologen schnell untergeht oder gar nicht erst wahrgenommen wird.
Dies ist jedoch eine Entwicklung, die in nahezu allen Fachbereichen an allen Universitäten zu bemängeln ist. Es werden immer mehr Studenten aufgenommen, die immer mehr Geld in die Kassen bringen aber an die Qualität für jeden einzelnen wird dabei leider nicht gedacht.
Allerdings muss auch erwähnt werden, dass nur so viele angenommen werden, weil sowieso sehr viele abspringen und dann gar nicht mehr so viele übrig bleiben. Es ist schade, dass wir in einer Gesellschaft leben, wo dieses Prinzip der natürlichen Auslese in dieser Art und Weise nötig ist. Aber wenn man sich die Gedankengänge und Motivation vieler Studenten anschaut, sieht man, wo der Fehler liegt. In diesem Zusammenhang ist es nicht verwunderlich, dass oft der Begriff des "Rausprüfens" fällt.

Über den Aufbau des BSc Geologische Wissenschaften berichte ich im nächsten Teil.

October 19, 2008

Warum Geophysik?

Wenn man nun weiß, was ich mache, stellt sich natürlich auch die Frage, warum ich es mache.

Im letzten Jahr vorm Abitur - das ist jetzt zwei Jahre her - fiel bei vielen meiner Schulkameraden die Entscheidung, welchen Beruf sie erlernen möchten. Obwohl ich ein guter und zukunftsbewusster Schüler war, wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht, was ich werden wollte. Weil ich bei den anderen sah, wie sie sich um ihre Zukunft bemühten, und ich den richtigen Zeitpunkt für diese Entscheidung nicht verpassen wollte, fing ich an mich intensiv mit meinen Stärken, Schwächen und Interessen zu beschäftigen.
Als Leistungskurse hatte ich Englisch und Physik belegt. Außerdem hatte ich mich für Mathe, Erdkunde und Politische Weltkunde als weitere Prüfungsfächer entschieden. Ich interessiere mich für unseren Planeten, seine Flora und Fauna, und verfolge die Meldungen über ein mögliches baldiges Erdbeben nahe meiner Lieblingsstadt Vancouver sehr intensiv. Allgemein bin ich sehr von Kanada und seiner atemberaubenden, wilden Natur fasziniert. Die Rocky Mountains aber auch die gesamte Westküste haben auf meinen Reisen einen tiefen, bleibenden Eindruck hinterlassen.
So musste ich "nur" noch all diese Aspekte irgendwie verbinden und dieser Verbindung einen Namen geben. Es war schwer nach etwas zu suchen aber diesem Ziel keinen Namen geben zu können. Nach langen Recherchen im Internet stieß ich auf den Begriff "Geophysik" und informierte mich über die Welt hinter diesem Begriff.
Das war mein Einstieg. Er hat sehr lange gedauert und war auch sehr intensiv. Insgesamt hat mich der Weg zu dieser Entscheidung mehr als ein halbes Jahr beschäftigt, weil ich absolut sicher sein sollte, dass es das ist, was ich lernen und dem ich mein Leben widmen möchte.

Es ist jetzt etwas über ein Jahr vergangen und ich habe bereits viel gelernt. Meine Entscheidung habe ich keine einzige Minute bereut. Es fühlt sich gut an, auf dem richtigen Weg zu sein.
Mit diesem Blog bin ich bereit den nächsten Schritt zu gehen und noch tiefer und vielfältiger in diese Welt einzutauchen. Nach einem Jahr des Einstiegs und der ersten Erfahrungen möchte ich frühzeitig zeigen, wer ich bin und wer ich werden möchte.

October 18, 2008

Was ist Geophysik?

Wenn ich gefragt werde, was ich studiere und ich "Geologische Wissenschaften mit Vertiefungsrichtung Geophysik" antworte, erhalte ich meistens ungläubige oder fragende Blicke.
Wenn ich dann mit "Geologie" nachlege, enstehen sofort Assoziationen zu allen möglichen Dingen mit "Stein", was man aber niemandem verübeln kann. Versuche ich allerdings zu erklären, was ein Geophysiker macht, so erhalte ich als Reaktion meistens Aussagen wie "Das klingt aber schwierig." oder "Physik? Das konnte ich noch nie."
Ich versuche daher so verständlich wie möglich zu erklären, was ich mir da eigentlich ausgesucht habe.

Die Geophysik stellt das Bindeglied zwischen den Geowissenschaften und der Physik dar und beschäftigt sich, wie der Name schon sagt, mit der Physik der Erde. Sie versucht unter anderem durch seismische, elektromagnetische und radioaktive Methoden die physikalischen Eigenschaften und Vorgänge unseres Planeten und seiner Umgebung zu verstehen.

Diese relative kurze Beschreibung der Geophysik umfasst ein weitreichendes Feld an Forschungsgebieten und Arbeitsmöglichkeiten, welche ich in zukünftigen Blogeinträgen näher vorstellen werde.

Der erste Schritt

Es ist naheliegend einen Blog mit einer interessanten oder lustigen Anekdote zu beginnen oder den Leser mit Zitaten weiser Männer zu gewinnen. Ehrlich gesagt, habe ich dies bei einem älteren Versuch einen Blog zu starten auch so praktiziert. Doch letztendlich gewinnt ein Blog Qualität und Leser durch seine Beständigkeit und die Entwicklungs des Bloggers. Ich versuche diesem Anspruch gerecht zu werden.
Ich möchte mit diesem Blog weder die allerorts herrschende Ungerechtigkeit in der Welt anmahnen noch irgendwelche politischen oder wirtschaftlichen Veränderungen bewirken. Dies überlasse ich gerne den vielen anderen, die dies tun.
Ich beabsichtige lediglich von meinem Weg vom Studenten bis zum Geophysiker zu berichten. Im Vergleich zu diversen Weltgeschehnissen mag dies für die Allgemeinheit unwichtig erscheinen, doch stellt es für mich als Individuum eine der wichtigsten Entscheidungen meines Lebens dar.
Daher hoffe ich, dass ich einige für meine Geschichte begeistern und manch einem vielleicht eine Entscheidungshilfe bieten kann auch diesen Weg zu gehen.